Wiederverwendung von Bauglas

TU Dresden zu Gast bei Sollingglas

Ende März 2026 begrüßte Sollingglas ein Forschungsteam der Technischen Universität Dresden im Werk in Derental. Anlass des Besuchs war ein wissenschaftliches Forschungsprojekt zur Wiederverwendung von Flachglas im Bauwesen.

Die Forschungsgruppe um Alexandra Herpich und Konrad Schüler untersucht, ob durch eine nachträgliche thermische Vorspannung die strukturellen Eigenschaften von Floatglas aus Bestandsgebäuden verbessert werden können. Damit widmet sich das Projekt einer wichtigen Fragestellung im Kontext der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.
Bei Sanierungen und Rückbauprojekten fallen große Mengen an Altglas an. Eine direkte Wiederverwendung dieser Scheiben wird jedoch häufig durch Oberflächendefekte, Witterungseinflüsse sowie mechanische Beanspruchungen während der Nutzungsdauer erschwert.

Kann thermisches Vorspannen die Eigenschaften von Bestandsglas verbessern?

Ziel der Untersuchung ist es herauszufinden, ob der Vorspannprozess solche oberflächennahen Schädigungen zumindest teilweise kompensieren kann und welche Festigkeitswerte sich anschließend erreichen lassen.

Im Rahmen des Projekts werden Glasproben aus Bestandsgebäuden charakterisiert, thermisch behandelt und anschließend umfassend untersucht.

Dazu gehören unter anderem:

  • optische und mikroskopische Analysen der Glasoberflächen,
  • Messungen der eingebrachten Eigenspannungen,
  • mechanische Festigkeitsprüfungen,
  • die statistische Auswertung und Bewertung der Versuchsergebnisse.

Forschung trifft Praxis

Der Besuch bei Sollingglas bot dem Forschungsteam die Möglichkeit, praktische Einblicke in die industrielle Glasverarbeitung und die eingesetzte Anlagentechnik zu gewinnen und sich mit den Fachleuten vor Ort auszutauschen.

Für Sollingglas ist die Fragestellung des Forschungsprojekts besonders interessant. Denn die Wiederverwendung von vorhandenem Bauglas kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Materialien länger im Kreislauf zu halten und den Energie- und Ressourcenaufwand für eine erneute Herstellung zu reduzieren.

Gerade im Vergleich zum Einschmelzen und der anschließenden Neuproduktion eröffnet die direkte Wiederverwendung die Möglichkeit, bereits vorhandenes Material weiter zu nutzen und damit einen weiteren Schritt in Richtung einer ressourcenschonenderen Bauweise zu gehen.

Das Forschungsprojekt der TU Dresden leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Frage, welche technischen Möglichkeiten für die Wiederverwendung von Flachglas im Bauwesen künftig bestehen.

Wir bedanken uns bei Alexandra Herpich und Konrad Schüler für den interessanten Austausch bei Sollingglas und sind gespannt auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts.

 

TU Dresden zu Gast bei Sollingglas

von links: Dr. Lothar Herlitze, Alexandra Herpich, Konrad Schüler