Komplexe Schutzfunktionen in schlankem Glasaufbau
| Industriekultur Nürnberg

Sollingglas entwickelt maßgeschneiderte Verbundverglasung für die denkmalgeschützte Fassade des Museums Industriekultur Nürnberg

Maßgeschneiderte Verbundverglasung | Industriekultur Nürnberg

Beschreibung des Objekts

Das Museum Industriekultur Nürnberg befindet sich in einer denkmalgeschützten Fabrikhalle aus den 1920er-Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Eisenwalzwerks Julius Tafel. Von dem einst weitläufigen Industrieareal ist heute unter anderem die ehemalige Halle der Schraubenfabrik erhalten. Seit 1988 beherbergt sie das Museum Industriekultur, das die Geschichte der Industrialisierung Nürnbergs vermittelt.

Im Rahmen einer umfassenden Sanierung wird das Gebäude energetisch und baulich ertüchtigt. Ein wichtiger Bestandteil ist die Sanierung der historischen Süd- und Westfassade.
Die charakteristische Fassadengestaltung mit ihren schmalen Metallprofilen sollte dabei erhalten bleiben.

Ausgangslage und Anforderungen

Vor allem die Südseite des Museums heizte sich im Sommer durch die intensive Sonneneinstrahlung stark auf. Die daraus resultierenden hohen Temperaturen im Gebäude waren einer der wesentlichen Gründe für die energetische Sanierung der Fassade. Die vorhandenen Metallkonstruktionen sollten jedoch erhalten und mit einer neuen Verglasung ausgestattet werden.

Die ursprüngliche Fassade war mit Drahtglas und entsprechend schmalen Profilen ausgeführt. Damit stand für die neue Verglasung nur eine geringe Gesamtdicke zur Verfügung. Gleichzeitig waren die Anforderungen an eine Einfachverglasung außergewöhnlich hoch.

Anforderungen:

  • UV-Schutz: Transmission bis 400 nm unter 1 %
  • IR-Schutz: ab 900 nm maximal 10 %
  • unterschiedliche Lichttransmissionen: 70 %, 40 %, 25 % und in einzelnen Museumsbereichen 0 %
  • Sonnen- und Wärmeschutz innerhalb einer Verbundglasscheibe
  • Ug-Wert unter 3,6 W/(m²K)
  • Lichtreflexion außen unter 15 %
  • integrierter Vogelschutz in Teilbereichen der Fassade

Damit musste eine sehr schlanke Verglasung entwickelt werden, die gleichzeitig Aufgaben des Wärme-, Sonnen-, UV- und Lichtschutzes übernimmt und sich in die vorhandene historische Fassadenkonstruktion integrieren lässt.

Besondere Herausforderungen und Umsetzung

Für die historische Fassade entwickelte Sollingglas eine individuell abgestimmte Glaslösung, die die unterschiedlichen Anforderungen an Wärme-, Sonnen-, UV- und Lichtschutz in einem schlanken Aufbau vereint. Um die einzelnen Funktionen gezielt aufeinander abzustimmen und den passenden Glasaufbau zu entwickeln, wurden umfangreiche Bemusterungen und Berechnungen durchgeführt.

Die Lösung entstand in enger und zielgerichteter Abstimmung aller Projektbeteiligten und des Denkmalamts. So konnte eine technisch anspruchsvolle Verglasung realisiert werden, die zugleich den gestalterischen und denkmalpflegerischen Anforderungen an die historische Fassade gerecht wird.

Zum Einsatz kam ein speziell entwickeltes, komplex aufgebautes Verbundsicherheitsglas. Der Aufbau kombiniert eine pyrolytisch beschichtete Scheibe mit Sonnenschutzfunktion, unterschiedliche PVB-Folien sowie eine außenliegende Floatglasscheibe. Die verwendeten Scheiben wurden als teilvorgespanntes Glas (TVG) ausgeführt.

Je nach Museumsbereich wurden unterschiedliche Glasaufbauten realisiert. So konnte die Lichtdurchlässigkeit gezielt an die jeweilige Nutzung angepasst werden – bis hin zu Bereichen, in denen kein Lichtdurchgang gewünscht ist. Auch der erforderliche Vogelschutz wurde in die Verglasung integriert.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, trotz dieser unterschiedlichen technischen Funktionen ein einheitliches Erscheinungsbild der Fassade zu erzielen. Von außen sollten die verschiedenen Glasaufbauten möglichst nicht ablesbar sein. Gleichzeitig musste die filigrane Wirkung der historischen Metallkonstruktion erhalten bleiben.

Das Ergebnis verbindet die hohen Anforderungen an Wärme-, Sonnen-, UV- und Lichtschutz mit dem Erhalt des charakteristischen Erscheinungsbildes der historischen Industriefassade.

 


 

Details

Standort: Museum Industriekultur Nürnberg

Architekten: Pro Denkmal und BM+P Architektur

Entwicklung und Herstellung der Verglasung:

SOLLINGGLAS Bau- und Veredelungs GmbH & Co. KG, Derental (Solling)

Ausführender Handwerksbetrieb: Glaserei Feldmann

Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit und die Genehmigung zur Nutzung der Bilder, die uns freundlicherweise von der Glaserei Feldmann zur Verfügung gestellt wurden.

Bildrechte: Glaserei Feldmann