Nachhaltige Fensterrestaurierung | Schinkelkirche Bischmisheim
Sollingglas realisiert energieeffiziente Verglasungslösung im historischen Bestand

Beschreibung des Objekts
Die Evangelische Kirche Bischmisheim, weithin als Schinkelkirche bekannt, ist ein bedeutendes Beispiel des preußischen Klassizismus. Sie befindet sich am Südosthang des Saarbrücker Stadtteils Bischmisheim und wurde zwischen 1822 und 1824 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel errichtet.
Das Bauwerk ist als oktogonaler Zentralbau konzipiert, was es zu einem architektonischen Unikat in der Region macht. Schinkel wählte die achteckige Form aus ökonomischen, akustischen und liturgischen Gründen, da sie eine effiziente Materialnutzung ermöglichte und die Gemeinde enger um den Prediger versammelte.
Die Fenster prägen maßgeblich die Fassadengliederung und die Atmosphäre des Innenraums. Auf jeder der acht Seiten befindet sich eine zweigeschossige Anordnung von jeweils zwei gekuppelten Rundbogenfenstern, sodass insgesamt 32 Fenstereinheiten das Gebäude strukturieren.
- Rahmen und Material: Die Fensteröffnungen sind in profilierte Rundbögen gefasst. Die Rahmen bestehen aus weiß gestrichenem Eichenholz, dessen kleinteilige Sprossen einen markanten Kontrast zum warmen Sandstein bilden.
- Verglasung: Die historische Verglasung aus Antikglas, erzeugt durch seine charakteristischen Schlieren und Bläschen eine lebendige, warme Lichtstimmung im Innenraum.
Die Kirche verkörpert Schinkels Grundsatz, „das Notwendige der Konstruktion schön zu gestalten“. Sie ist als Einzeldenkmal geschützt und stellt ein authentisches Zeugnis Schinkels und seinen Einfluss auf die Sakralarchitektur des 19. Jahrhunderts dar.
Ausgangslage und Anforderungen
Anfang 2025 begann die Sanierung der historischen Kirchenfenster. Sollingglas wurde mit der Fertigung der Verglasung beauftragt.
Im Vordergrund dieser Sanierung stand die Bewahrung der ursprünglichen Fensterkonstruktion einschließlich Erhalt des historischen Charakters der Verglasung. Gleichzeit galt es den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gerecht zu werden.
- Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Verbesserung des Wärmeschutzes. Die Kirchenfenster trugen aufgrund ihrer großen Fläche – im Verhältnis zur umgebenden Wand – maßgeblich zu Wärmeverlusten bei.
- Um den thermischen Komfort zu verbessern und den Energieverbrauch zu reduzieren, hat man sich für den Einbau von Isolierglas mit einer maximalen Dicke von 12 mm entschieden.
Im ersten Bauabschnitt wurden folgende Fenster bearbeitet:

Fenster der Schinkelkirche
Bild: Hans-Jürgen Stein
Erdgeschoss
- 2 Rechteckfenster mit je 30 Rechteckscheiben
- 2 Rundbogenfenster mit je 11 Kreissegmentscheiben
Obergeschoss
- 2 Rechteckfenster mit je 42 Rechteckscheiben
- 2 Rundbogenfenster mit je 11 Kreissegmentscheiben
Besondere Herausforderungen und Umsetzung
Eine besondere Herausforderung stellten die Rundbogenfenster dar, da die Kreissegmente unregelmäßige Maße aufwiesen.
Zur Sicherstellung der Passgenauigkeit wurden – durch den ausführenden Handwerksbetrieb – individuelle Schablonen erstellt, die als Grundlage für die Fertigung dienten. Eine eindeutige Kennzeichnung diente der korrekten Zuordnung jeder einzelnen Scheibe im jeweiligen Fenster.

Schablonen
Bild: Ibrahim Limani / Fa. Limaholz
Insgesamt fertigte Sollingglas für den ersten Bauabschnitt
- 44 Kreissegmentscheiben
- 144 Rechteckscheiben
Auf Basis der Schablonen entstand eine maßgeschneiderte 2-fach Isolierglaslösung, die sowohl den denkmalpflegerischen als auch den energetischen und sicherheitstechnischen Anforderungen gerecht wird.
Aufbau der Isolierglasscheiben:
- Außenseite: Echtantikglas, 3 mm, normal gebläselt
- Innenseite: 3 mm Floatglas mit Wärmeschutzbeschichtung
- Zwischenraum: 6 mm Scheibenzwischenraum mit weißem Abstandhalter

Einbau der Verglasung
Bild: Werner Johann
Der fachgerechte Einbau der von Sollingglas gefertigten Verglasung, wurde durch den Restaurator Ibrahim Limani vorgenommen.
Dabei kam ein elastischer Kitt zum Einsatz, der auch nach dem Aushärten flexibel bleibt, so dass er sich bei Bewegungen, Vibrationen oder Temperaturschwankungen ausdehnen und zusammenziehen kann, ohne zu reißen.
Dank der präzisen Abstimmung aller Beteiligten konnte eine langlebige, optisch ansprechende und widerstandsfähige Glaslösung für die historischen Fenster der Schinkelkirche realisiert werden.
Details
Standort: Evangelische Kirche Bischmisheim
Architekten: Architekt Hans-Jürgen Stein BDA, PUR+ Architekten
Herstellung der Verglasung:
SOLLINGGLAS Bau- und Veredelungs GmbH & Co. KG, Derental (Solling)
Lieferant Echtantikglas: Glashütte Lamberts Waldsassen GmbH, Waldsassen
Ausführender Handwerksbetrieb: Limaholz, Ibrahim Limani, Schreiner & Restaurator
Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit und die Genehmigung zur Nutzung der Bilder, die uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden.
Bildrechte
- Ibrahim Limani / Fa. Limaholz
- Hans-Jürgen Stein
- Werner Johann
- Titelbild: Drucone via Wikimedia Commons