50 Jahre Sollingglas

Handwerk, Vielfalt und Innovation

2026 blickt Sollingglas auf 50 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. In diesen fünf Jahrzehnten haben sich das Unternehmen, die technischen Möglichkeiten der Glasverarbeitung und auch der Umgang mit historischer Bausubstanz grundlegend verändert.

Seit der Gründung verbindet Sollingglas handwerkliche Erfahrung mit moderner Glasverarbeitung, technischer Entwicklung und wissenschaftlicher Forschung. Das Leistungsspektrum reicht heute von bewährten Glasprodukten und individuell gefertigten Verglasungen bis hin zu anspruchsvollen Lösungen für Architektur, Restaurierung und Denkmalpflege.

Vom Glaserhandwerk zur modernen Glasverarbeitung

Als Hilmar Schanze Sollingglas im Juli 1976 gründete, standen zunächst klassische Glaserarbeiten und Montagen im Mittelpunkt. Aus dem regionalen Handwerksbetrieb entwickelte sich über die Jahre ein vielseitiger Glasverarbeiter, der zunehmend für seine hohe Fertigungskompetenz und innovative Lösungen bekannt wurde.

Nach seiner Ausbildung zum Glasermeister und Glasbautechniker trat Heiko Schanze in den väterlichen Betrieb ein und übernahm im Herbst 2005 die Geschäftsführung. In den folgenden Jahren wurde das Unternehmen konsequent weiterentwickelt: Die Verbundglasfertigung wurde ausgebaut, neue Produkte und Verarbeitungsverfahren entstanden und die Restaurierung historischer Verglasungen gewann zunehmend an Bedeutung.

Heute fertigt und verarbeitet Sollingglas am Standort Derental Glas für unterschiedlichste Einsatzbereiche. Dazu gehören individuell gestaltete Haustürfüllungen ebenso wie funktionale Verglasungen für Gebäude und Architektur, Restaurierungsgläser für historische Fenster sowie technisch anspruchsvolle Projektlösungen. Die eigene Fertigung und die breite Verarbeitungskompetenz ermöglichen es, sowohl bewährte Produkte zuverlässig zu fertigen als auch individuelle Kundenanforderungen umzusetzen und neue Lösungen zu entwickeln.

Sollingglas Betriebsräume 1977

Originalseite aus dem Sollingglas-Firmenarchiv: Die ersten Betriebsräume im Jahr 1977.

Sollingglas – die Anfänge

1977 wurden das erste Büro sowie ein Material- und Werkzeuglager eingerichtet.

Zwei Garagen und eine angemietete Scheune bildeten die ersten Betriebsräume von Sollingglas.

Eine der Garagen diente als Büro, in der Scheune befanden sich die ersten Lagerräume.

Sollingglas Gebäude 2026
Eingang Sollingglas Gebäude 2026

Sollingglas Betriebsräume 2026

Unterschiedliche Anforderungen, passende Lösungen

Glas erfüllt je nach Einsatzort sehr unterschiedliche gestalterische, funktionale und technische Aufgaben. Während sich viele Anwendungen mit bewährten Produkten und Fertigungsverfahren zuverlässig umsetzen lassen, erfordern andere Projekte eine besonders genaue Abstimmung.

Das gilt insbesondere für historische Fenster und denkmalgeschützte Gebäude. Hier soll die vorhandene Substanz möglichst bewahrt werden. Gleichzeitig können Anforderungen an Sicherheit, Wärme-, Sonnen- oder UV-Schutz bestehen.

Eine Lösung lässt sich dabei selten unverändert von einem Gebäude auf das nächste übertragen. Glasart, Herstellungsverfahren, Alter und Zustand des Glases, die vorhandene Fensterkonstruktion sowie die zukünftige Nutzung des Gebäudes müssen jeweils einzeln betrachtet werden. Die Entwicklung einer geeigneten Verglasung beginnt deshalb mit einer genauen Analyse. Sie erfordert häufig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen und einen offenen Austausch zwischen Architektur, Handwerk, Restaurierung, Denkmalbehörden und Wissenschaft.

Auf dieser Grundlage entstehen Lösungen, die gestalterische, funktionale und technische Anforderungen miteinander verbinden und zugleich dem Charakter eines Gebäudes gerecht werden.

Historisches Glas ist Teil der überlieferten Substanz

Historisches Fensterglas ist mehr als ein funktionales Bauteil. Seine Oberfläche, seine Strukturen und Unregelmäßigkeiten geben Hinweise auf die Herstellungsverfahren und handwerklichen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit.

Das Glas prägt das Erscheinungsbild einer Fassade, die Lichtwirkung im Innenraum und damit die Wahrnehmung des gesamten Gebäudes. Wird historisches Originalglas entfernt und durch modernes Glas ersetzt, geht deshalb nicht nur ein alter Werkstoff verloren. Auch ein Teil der gestalterischen, handwerklichen und baugeschichtlichen Aussage des Gebäudes verschwindet.

Der Erhalt des Glases ist daher ein wesentlicher Bestandteil eines verantwortungsvollen Umgangs mit historischer Bausubstanz. Was früher häufig ausgetauscht wurde, wird heute zunehmend als erhaltenswerte Originalsubstanz erkannt.

Forschung und Entwicklung aus der Praxis

Forschung und Entwicklung ergänzen bei Sollingglas die langjährige Erfahrung in der Glasverarbeitung. Neue Verfahren entstehen dabei nicht losgelöst vom betrieblichen Alltag, sondern aus konkreten Anforderungen von Kunden, Planern, Handwerksbetrieben und der Denkmalpflege.

In zahlreichen Versuchsreihen und Entwicklungsprojekten hat Sollingglas Verfahren erarbeitet, mit denen dünnes Restaurierungsglas, mundgeblasenes Echt-Antikglas und unter bestimmten Voraussetzungen auch historisches Originalglas technisch weiterverarbeitet werden kann.

2015 gelang gemeinsam mit der Glashütte Lamberts ein entscheidender Entwicklungsschritt bei der thermischen Vorspannung dünner mundgeblasener Gläser. Das Verfahren wurde anschließend kontinuierlich weiterentwickelt.

Seit 2022 beschäftigt sich Sollingglas verstärkt mit der Frage, wie historische Originalverglasungen erhalten, energetisch ertüchtigt und im ursprünglichen Fenster wiederverwendet werden können.

Je nach Ausgangslage und Anforderung lässt sich historisches oder historisch anmutendes Glas beispielsweise:

  • thermisch vorspannen,
  • zu Verbund- oder Verbundsicherheitsglas verarbeiten,
  • mit UV- und Infrarotschutz ausstatten,
  • in besonders dünne Isolierglasaufbauten integrieren,
  • mit weiteren Schutz- und Funktionsschichten kombinieren.

Welche Verfahren sinnvoll und technisch möglich sind, wird für jedes Projekt individuell geprüft. Ziel ist eine Lösung, die zur historischen Substanz, zur vorhandenen Fensterkonstruktion und zur zukünftigen Nutzung des Gebäudes passt.

Re-Use: Historische Originalverglasungen wiederverwenden

Ein besonderer Schwerpunkt der aktuellen Entwicklungsarbeit ist die Wiederverwendung historischer Originalverglasungen im ursprünglichen Fenster. Der Re-Use-Ansatz kehrt die übliche Reihenfolge um: Nicht der Austausch des vorhandenen Glases steht am Anfang, sondern die Frage, ob und wie es erhalten und weiter genutzt werden kann.

Nicht jede historische Scheibe eignet sich dafür. Glasqualität, Belastbarkeit, Beschädigungen, Fensterkonstruktion und geplante Nutzung müssen im Einzelfall bewertet werden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Wiederverwendung historischer Originalverglasungen häufiger möglich ist, als lange angenommen wurde.

Damit wird Re-Use zu einer realen und planbaren Option für die Denkmalpflege. Wertvolle Originalsubstanz bleibt am Gebäude erhalten, bereits vorhandene Materialien werden weiter genutzt und der Bedarf an neu hergestelltem Glas kann reduziert werden.

50 Jahre Wissen und Erfahrung

Gemeinschaftsfoto Mitarbeitende von Sollingglas 2026

Gruppenfoto Sollingglas Mitarbeitende im Juni 2026

Die Entwicklung von Sollingglas wäre ohne die Menschen im Unternehmen nicht möglich gewesen. Viele unserer Mitarbeitenden begleiten uns bereits seit vielen Jahren, einige seit Jahrzehnten.

Ihr Wissen steckt nicht nur in technischen Unterlagen, Maschinen und Verfahren. Es zeigt sich im sicheren Umgang mit dem Material, im Verständnis für unterschiedliche Anforderungen und in der Fähigkeit, praktikable und technisch überzeugende Lösungen zu entwickeln.

Diese Erfahrung weiterzugeben und mit neuen Erkenntnissen zu verbinden, gehört zu den wichtigen Aufgaben der kommenden Jahre. Denn gerade in spezialisierten handwerklichen und technischen Bereichen lässt sich Wissen nicht vollständig dokumentieren. Es entsteht und wächst vor allem in der gemeinsamen praktischen Arbeit.

Ein Jubiläum mit Blick nach vorn

50 Jahre Sollingglas sind für uns Anlass, auf wichtige Entwicklungsschritte, besondere Projekte und langjährige Partnerschaften zurückzublicken. Dieser Rückblick gibt uns zugleich wichtige Impulse für die weitere Entwicklung unseres Unternehmens.

Die Anforderungen an Glas und seine Verarbeitung verändern sich stetig. Gleichzeitig gewinnen der verantwortungsvolle Umgang mit vorhandenen Ressourcen, der Erhalt historischer Gebäude und die Verbindung von Gestaltung, Funktion und Substanz weiter an Bedeutung.

Auch künftig können Kunden und Partner auf die Erfahrung, das breite Leistungsspektrum und die verlässliche Zusammenarbeit mit Sollingglas zählen. Zugleich bleibt das Unternehmen offen für neue Anforderungen und Impulse.